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Interview mit 'Kind in Wien' des Falter Verlags

Interview mit Bernhard Dorfmann zu Verkehrskompetenz am Rad "Eltern Kind Radfahren" in "Kind in Wien", 27. Ausgabe des Falter Verlags, Wien
Interview mit Bernhard Dorfmann zu Verkehrskompetenz am Rad „Eltern Kind Radfahren“ in „Kind in Wien“, 27. Ausgabe des Falter Verlags, Wien

Mit Kind und Rad durch die Stadt
von Daniela Lipka für „Kind in Wien“, 27. Auflage, des Falter Verlags

Interview mit Bernhard Dorfmann

Wie kam es zur Idee der City Cycling School?

Ich bin Fahrradkurier und meine Freunde haben oft zu mir gesagt: Du hast einen lebensgefährlichen Job! Viele Leute jammern: „Ich fahre gerne mit dem Rad, aber in der Stadt mach ich das nicht, weil es zu gefährlich ist.“ Ich will durch meine Radfahrschule vermitteln, dass man auch in der Stadt geschmeidig unterwegs sein kann.

Welche Fehler beobachten Sie bei Radfahrern in Wien?

Die Leute bringen sich in gefährliche Situationen, weil sie sich nicht in die Perspektive der anderen Verkehrsteilnehmenden hineindenken. Sie überholen Lastwagen von rechts. Da sieht ein Lastwagenfahrer den Radfahrer nicht. Oder sie bleiben an der Ampel mit Abbiegemöglichkeit parallel zu einem Autofahrer stehen. Auch die Fahrtechnik fehlt oft.

Was passiert beim Radfahren mit Kindern?

Eltern, die nur selten Rad fahren, sind oft selbst unsicher und können dabei nicht genug auf ihre Kinder schauen. Kreuzungen, Zebrastreifen, Ausfahrten aus Garagen, Gehwege parallel zu Radwegen, all das sind Schnittstellen, die eine erhöhte Aufmerksamkeit erfordern. In meinen Kursen geht es um den Perspektivenwechsel. Was sieht der Autofahrer, was nicht? Als Radfahrer muss ich immer mitdenken.

Wie groß ist Ihre Abneigung gegen Autos?

Ich hab keine. Am Land fahre ich selbst sehr gern Auto und ich lese Autozeitschriften. In der Stadt ziehe ich das Fahrrad, Öffis und zu Fuß gehen vor. Als Radfahrer ist man ohne Filter mitten in der Welt. Man muss wach und bei sich sein, um auf Kurs zu bleiben. Das gefällt mir.

Wie schwierig ist es für Erziehungsberechtigte mit Kindern durch die Stadt zu radeln?

Es ist nicht leicht, die richtige Fahrposition zu finden. Neben dem Kind radeln funktioniert selten, weil es so eng ist. Wenn man hinter dem Kind fährt, hat man den besten Überblick, aber bei den Schnittstellen wie Kreuzungen, Ausfahrten etc. kann ich es nur aufhalten, wenn ich vor ihm bin. Deshalb lernen Eltern in meinen Kursen zuerst mal eine ganz bestimmte Strecke sicher mit den Kindern zu fahren.

Wie läuft eine Kursstunde ab?

Die Eltern nennen mir eine Strecke, die sie gemeinsam mit dem Kind üben wollen: Den Weg von zuhause zum Einkaufen oder auch die Strecke von zuhause ins Grüne. Zum Beispiel vom Karmelitermarkt auf die Donauinsel. Ich beginne in einer verkehrsberuhigten Zone. Wir trainieren die Fahrtechnik und Geschicklichkeit wie schnell losfahren, abbremsen, aber auch Kurvenfahren. Auf der Strecke fotografiere ich die Verkehrsschilder, damit sich die Eltern mit den Kindern gemeinsam auf die Verkehrszeichen vorbereiten können. Anschließend sende ich die GPS-markierten Fotos auf einer Google Maps Kart per E-Mail zu. Ganz wichtig sind die Situationen, in die wir auf dieser Strecke kommen. Diese werden vorort besprochen. Ich erkläre es den Eltern, die darüber mit den Kindern sprechen. Es ist mir wichtig, dass die Eltern als Bezugsperson das machen und nicht ich.

Wie viel kostet es?

Eine Radstunde kostet 30 Euro pro Verband, das sind ein bis zwei Erziehungsberechtigte mit ein bis zwei Kindern. Eine Stunde ist eine gute Zeit, da sich Kinder oft nicht länger konzentrieren können. Falls das doch möglich ist, kostet die weitere Stunde auf dieser Strecke 20 Euro.

Was ist der Unterschied zum Verkehrsgarten?

Dort sind 20 Schüler unterwegs und im Verkehrsgarten passieren keine wirklich unvorhergesehenen Situationen. In meinen Kursen lernen die Eltern und Kinder beim Unterwegssein in der Stadt schon eine Menge.

Sie bringen auch Großeltern das Radfahren bei?

Es gibt viele ältere Leute, die nicht Radfahren können. Damals in den 1960iger Jahren wurde das Rad als Fortbewegungsmittel von Auto und Motorrad abgelöst. Jetzt wollen sie fahren lernen, weil sie mit ihren Freundinnen oder Enkeln einen Radausflug planen. Das können sie bei mir.

Vielen Dank für das Interview!

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