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Radfahren im Regen in der Stadt

Radfahren im Regen in der Stadt ruft zunächst ähnliche Assoziationen hervor wie ein nasskaltes Handtuch im Bett. GrrBrrrWääh. Aber wie so oft auf dem Fahrrad – und das funktioniert wirklich – ist man beim Radfahren im Regen so beschäftigt mit den akuten Herausforderungen, dass schlichtweg die Momente fehlen, um sich die unerquicklichen Komponenten der Situation zu vergegenwärtigen. Und plötzlich ist man am Ziel angelangt, innerlich warm, mit apfelfrisch glühenden Backen und einem richtigen Erlebnis auf der Habenseite der eigenen Biografie.

Aus der Schreibtischperspektive lässt sich aber eine schöne Grauslichkeitsszenerie der Stadt im Regen erstellen:

ZuFußgehende sehen weniger unter ihren Regenschirmen und in ihren Kapuzen als ihnen selbst klar ist, KFZs mit halbangelaufenen Seitenscheiben stehen genervter als sonst im Stau, Straßenbahnen bimmeln vorausschauender als gewohnt und spucken sofort Streu bei eigentlich harmlosen BRadfahren im Regen in der Stadtremsmanövern, die Fiakerkondukteure hocken zusammengekauert stumm auf ihrem Bock, die MA48er reißen ungeduldig an den Mistkübeln herum, Lieferdienste lassen ihre Türen besonders heftig ins Schloss knallen,  Taxi – und Busfahrgäste queren blindlings die Radfahrbahnen zum rettenden Hoteleingang oder Unterstand. All das im Getöse der stetig rauschenden Gischt des von den Reifen der KFZs verdrängten Wassers auf den Fahrbahnen der Straße.

Während also rund um die Radfahrenden die Stadt tobt, haben sie selbst auch noch zu kämpfen mit zögerlich ansprechenden Felgenbremsen (>>Upgrade: Scheibenbremsen), durchrutschenden Seitenwanddynamos (>>Upgrade: Nabendynamo), zu quietschen anfangenden Ketten (>>wer umsteigen will: Riemenantrieb), der überall hineindrängenden Feuchtigkeit (>>Goretex-Materialien), dem verschwommen wirkenden Gesichtsfeld (>>…) und v.a. mit den Tücken der nassen Fahrbahnen mit ihren verschiedenen Rutschgraden. Die Metaphern “spiegelglatt” und “flutscht wie Seife” verblassen gegenüber der Realität von nassen Schienen, bemaltem Kopfsteinpflaster und glatten Holzpassagen.