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Absolute Beginners - Radfahrkurs für Erwachsene
Hurra, ich kann Radfahren!

Hurra, ich kann Radfahren!!!

Ich bin 65 Jahre alt, bin im 10. Wiener Gemeindebezirk groß geworden als gut behütetes Einzelkind einer Arbeiterfamilie.

Ich durfte weder Dreiradler, Triton oder Radfahren, denn ich könnte mich ja schmutzig machen oder mir könnte etwas passieren.

In meiner Jugend war Radfahren auch kein Thema, denn woher sollte ich ein Rad nehmen, wenn ich keines bekam. Und meine Jugendfreunde hatten genau so wie ich kein Radl.

Dann kamen die Kinder, der Beruf und ich hatte keine Zeit, um mir Gedanken über das Radfahren zu machen (oder besser gesagt, kam nicht in Frage, denn es könnte mir etwas passieren und was tan).

Und zu meinem 60. Geburtstag bekam ich von meiner Familie und den Kindern ein Rad für Erwachsene, richtig gemütlich mit Einkaufskörberl und das in knall rot.
Ich dachte mich trifft der Blitz. Was soll ich damit tun?
So ein Gefährt wo ich mir eventuell und vielleicht eine Blessur holen könnte.
Ich hörte mindestens einmal in der Woche von den edlen Spendern, bist scho g`forn?
Ich hatte die besten Ausreden, Wetter, Pensionistenstress, Rückenschmerzen, kleiner Finger tut weh oder vielleicht der Kopf.
In der langen Zeit wurden Gott sei Dank die Fragen (worst Radlfoarn) weniger.

Und dann kam der Tag der Tage: ich las in einer ZeitungAbsolute Beginners – Radfahren lernen für Erwachsene“ und das war es.
Ich habe keine wirklich keine großen Verpflichtungen mehr und wollte endlich etwas für mich und nur für mich tun. Egal ob Verletzungen oder nicht ich wollte endlich meine eingeredete Kinderangst besiegen.
Ein E-Mail hin ein E-Mail zurück und der Treffpunkt wurde fixiert.

13.05.2013 14.30 Uhr Donauinsel (Gebäude vom „Schuh Ski“) ich ausgestattet mit 2 Flaschen Mineral, Regenjacke, Weste und nicht zu vergessen, Verbandszeug (Fasche, Pflaster, Blutstiller u. u.)
Und dann kam er: Bernhard mein Radfahrlehrer, ein junger Mann, sehr freundlich und höflich.
Ich erzählte ihm von meiner Kindheit, Jugend und vor allem meiner Angst, dass etwas passieren könnte und fragte ob er überhaupt eine Chance sieht mir Radfahren beizubringen. Ich möchte keinen Giro d’Italia fahren, einfach nur radfahren und nicht immer sagen zu müssen „tut leid, kann ich nicht“. Er antwortete mit einem Lächeln: in einer Woche redest du anders.

Erste 2 Std. auf einem Tretroller, er brachte mir alles spielend bei mit Spaß, Scherz und Lächeln. „Segelschiff“, „Lenker ärgern“, seine Ausdrücke, um mich auf andere Gedanken zu bringen und nicht stur und verbissen auf den Tretroller zu schauen.

Zweite 2 Std. Bernhard baute einige Schikanen auf, ich versuchte diese zu umrunden oder diese anzufahren. Es machte alles ganz einfach Spaß, wenn eine Übung nicht gelingt, kein Problem, dann zur nächsten und nach einiger Zeit die nicht gelungene Übung nochmal. Ich schwöre, dass ich vergaß, dass ich die Übung vor kurzer Zeit nicht schaffte.

Dritte 2 Std. kurzes Aufwärmen mit dem Tretroller und dann aufs Rad. Ich fragte, ob er mir vielleicht Stützräder montieren könnte, denn ich am richtigen Fahrrad mit 2 Rädern, ein Ding der Unmöglichkeit für mich, und ich hab`s geschafft.

Vierte 2 Std. Er fährt doch glatt mit mir in den Donaupark und es geht wirklich. Einige lustige Übungen folgen natürlich, denn nur geradeaus fahren, zählt beim Herrn Radfahrlehrer nicht.

Fünfte 2 Std. musste mich an das Rad gewöhnen, denn durch die Unwetter und meinen Kurzurlaub hatte ich eine Radfahrpause, allerdings nach 5 Minuten fuhr ich wieder fröhlich dahin.

Bernhard erklärte mir noch beim Abschiedsgespräch, worauf ich achten muss, wenn ich mit einem mir unbekannten bzw. anderen Fahrrad fahren möchte oder zusammen mit anderen Leuten radfahren gehe, … . Ohne ihn hätte ich diese Tricks nie gewusst.

Schade, jetzt ist der Kurs vorbei, ich kann Radfahren dank dem Bernhard, der mir mit seiner Eselsgeduld die Angst vor dem Fahrrad fahren nahm.

Ein kleiner Sturz gehörte auch dazu, was soll´s, blaue Flecken schaden meiner Schönheit nicht.

Ich kann nur allen die meine Zeilen lesen empfehlen, macht den Kurs, man ist nie zu alt um etwas zu lernen, sogar ich habe es geschafft! Und jetzt heißt es treten, treten, treten … und lenken …. und bremsen … und genießen!

Lieben Gruß, Eure Radlerin Monika